1855-1871 Friedrich Miescher-His (1811-1887)

 portrait miescher

Zum ersten Lehrstuhlinhaber wurde Friedrich Miescher-His, der Vater des Entdeckers der DNS, gewählt, der bereits früher den Lehrstuhl für Physiologie der Universität Basel (1837-1844) innehatte. Er war ein Schüler von Johannes Müller in Berlin. In seiner Dissertation "De ossium genesi, structura et vita" unterschied unterscheidet er als Erster zwischen hyalinem, elastischem und Faserknorpel. Später galt sein Hauptinteresse der Helminthologie. Zu den besten "Stücken" in seiner Sammlung gehörte ein Stück amerikanischer Speck mit Trichinen. Ein bemerkenswertes wissenschaftliches Oeuvre hinterlässt er nicht. Lesenswert ist die handschriftlich vorliegende Rektoratsrede von 1853 zum Gedenken an Albrecht von Haller. 1871 trat Miescher, 60-jährig, von seinem Amt zurück, mit der Begründung "der Umfang der medizinischen Wissenschaften und die stets wachsenden Anforderungen des Unterrichts verlangen eine frische und volle Kraft, die er, nachdem er seine besten Jahre der Basler Universität gewidmet habe, nicht mehr bieten könne". Miescher zog sich in seine Privatpraxis zurück. Jeremias Gotthelf soll von ihm gesagt haben "das schon bei seinem Eintritt ins Zimmer es dem Kranken wohlet". Miescher war nicht nur Wissenschaftler und Arzt sondern auch ein grosser Sänger, der u. a. in Haydn's Schöpfung als Solist auftrat.

 

1871-1874 Carl Ernst Emil Hoffmann (1827-1877)

 

 

Hoffmann studierte an den Universitäten in Giessen und Jena Naturwissenschaften und absolvierte im Januar 1850 die Staatsprüfung als Apotheker. Unzufrieden mit seiner Berufswahl absolvierte er ein Medizinstudium in Giessen und Würzburg und liess sich in Giessen als praktischer Arzt nieder. Nach seiner Habilitation wurde er an der dortigen Universität Prosektor. 1863 nahm Hoffmann eine Stellung als Dozent und Prosektor an der Universität Basel an, wurde dort 1864 zunächst ausserordentlicher, dann 1872 ordentlicher Professor für Anatomie sowie Vorsteher des Pathologischen Instituts. 1874 war er Dekan und 1876 Rektor der Universität Basel. Er amtete auch als Universitätarchivar und ausserdem als Präsident der Medizinischen Gesellschaft. 1877 verstarb er unerwartet am Sektionstisch.

 

1874–1898 Moritz Roth (1839–1914)

Prof.Moritz Roth 1872 1898

Roth studierte in Basel und an den Universitäten Würzburg, Göttingen und Berlin Medizin. Er wurde 1864 in Basel promoviert und war dort ab 1866 als Privatdozent tätig. 1868 ging er nach Greifswald, wo er bis 1872 blieb. In diesem Jahr erhielt er einen Ruf nach Basel, um dort als ausserordentlicher Professor, ab 1874 als ordentlicher Professor, die Nachfolge Carl Ernst Emil Hoffmanns (1827–1877) anzutreten. Während seiner Tätigkeit in Basel ließ Roth das erste Mikroskop für die Verwendung im Institut für Pathologie anschaffen, darüber hinaus fiel dessen Neubau in seine Amtszeit. Moritz Roth beschäftigte sich v. a. im höheren Alter mit Medizingeschichte, er schrieb eine Vielzahl von Beiträgen zum Thema und veröffentlichte 1892 eine ausführliche Biographie des flämischen Anatomen Andreas Vesalius, der eines seiner wichtigsten Forschungsthemen war. Nach ihm sind die Roth-Flecken (Roth’s spots) benannt. (siehe Wikipedia)

 

1898–1907 Eduard Kaufmann (1860–1931)

tn kaufmann

Nach dem Medizinstudium in Bonn und Berlin promovierte er 1884 an der Universität Bonn und wurde drei Jahre später Privatdozent für anatomische Pathologie in Breslau. 1896 war er Prosektor am Allerheiligenhospital in Breslau, als man ihn zum ordentlichen Professor der Pathologischen Anatomie der Universität Basel wählte. Bekannt war sein Lehrbuch zur Speziellen Anatomie. 1907 folgte er einem Ruf nach Göttingen. Die Knorpelbildungsstörung, Achondroplasia, die er als einer der ersten untersuchte, nennt sich noch heute "Parrot-Kaufmann-Syndrom". (siehe Wikipedia)

 

1907–1922 Ernst Hedinger (1873–1924)

tn hedinger

Der aus Wilchingen (SH) stammende Ernst Hedinger habilitierte sich 1905 in Bern. Bereits 1907 wurde er Ordinarius und Leiter des Pathologisch-Anatomischen Instituts der Universität Basel, 1911 amtete er als Dekan und 1917 als Rektor. 1922 wurde er nach Zürich berufen. Dort beschäftigte er sich vor allem mit Fragen der speziellen Pathologie: Thymustod, Morbus Addison, Entstehung des Kropfes, Arteriosklerose, Tumoren. Er verstarb unerwartet Ende 1924.

 

1922–1929 Robert Rössle (1876–1956)

Prof.R.Rossle 1922 1929

Nach der Habilitation für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie 1904 in Kiel wurde Robert Rössle in München zum ausserordentlichen Professor ernannt und war dort bis 1910 als Prosektor tätig war. Von 1911-1921 übernahm er das Ordinariat für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie an der Universität Jena. In dieser Zeit spielte er eine entscheidende Rolle im Disziplinarverfahren gegen den damaligen Leiter der Universitätsfrauenklinik Max Henkel. 1922 nahm er den Ruf nach Basel an. Bisher war die Pathologische Anstalt dem Bürgerspital angegliedert. Nun wurde sie in ein Universitätsinstitut umgewandelt und ausgebaut. Rössle war für diese organisatorischen Reformen zuständig. 1929 wurde er auf den Lehrstuhl für Pathologie an der Charité in Berlin berufen, wo er bis 1948 blieb. Unter dem Aspekt der Konstitutionspathologie beschäftigte sich Rössle seit 1910 mit Wachstumsvorgängen und Alterung, durchaus schon im Sinne der modernen Gerontologie. Als Standardwerk für die Obduktion galt seine Monografie "Mass und Zahl in der Pathologie", in der Normen definiert wurden, die die systematische und kontrollierte Bewertung pathologischer Befunde erlaubten. (siehe Wikipedia)

 

1929–1936 Werner Gerlach (1891–1963)

Prof.W.Gerlach 1930 1937

Im Ersten Weltkrieg wurde der deutsche Medizinstudent Werner Gerlach in einer Krankentransportabteilung und in verschiedenen Sanitätskompanien an der Westfront eingesetzt und mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. 1917 legte er während eines Fronturlaubs das Staatsexamen ab und promovierte. Von 1917 bis 1919 war Gerlach Arzt bei der Militärmission in der Türkei und erhielt dort den Eisernen Halbmond. Mit seinem Mentor Robert Rössle ging Gerlach von Jena an die Universität Basel und arbeitete als Prosektor. Er habilitierte sich hier 1923. Als er 1929 auf Rössles Lehrstuhl berufen wurde, war er Professor an der Universität Halle, wo sein Weggang bedauert wurde. In der Schweiz wurde Gerlach Mitglied der NSDAP/AO, die über 5.000 Mitglieder hatte. Er war aktiv in der nationalsozialistischen Bewegung, obgleich er dem Erziehungsdepartement versichert hatte, sich in der Schweiz der politischen Tätigkeit zu enthalten. So wurde er aufgrund „disziplinarwidriger nationalsozialistischer Betätigung“ 1936 entlassen. Sein Rekurs hiess das Appellationsgericht gut, worauf er wieder als Vorsteher amten konnte. Nun berief ihn das deutsche Reichsministerium auf eine Professur an der "nationalsozialistische Musteruniversität" Jena in der Nachfolge des in die Schweiz emigrierten Walther Berblinger. Im Zweiten Weltkrieg war Gerlach als Pathologe für das Konzentrationslager Buchenwald zuständig; hier deckte er Verbrechen der SS. (siehe Wikipedia)

 

1937–1967 Andreas Werthemann (1897–1974)

tn werthemann

Der Basler Andreas Werthemann widmete sich in seinem Medizinstudium in Basel, Genf und Zürich besonders der Pathologischen Anatomie. 1928 habiliterte er, 1932 wurde er Extraordinarius und 1937 Ordinarius am Insitut für Pathologische Anatomie. Rektor war er in den Jahren 1957 und 1959. Er war einer des Wegbereiter der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und ihr erster Präsident von 1968 bis 1972.

 

1967–1980 Hans-Ulrich Zollinger (1912–1990)

Prof.Zollinger ab Dia Kopie

Hans-Ulrich Zollinger absolvierte sein Medizinstudium in Zürich, wurde nach der Dissertation 1938 Oberarzt am Institut für Pathologie der Universität Zürich. Anschliessend war er Chefarzt des Instituts für Pathologie am Kantonsspital St. Gallen.

1963 wurde er zum Ordinarius für Pathologie der Universität Freiburg im Brsg. und zum Direktor des Ludwig-Aschoff-Hauses gewählt. Aber schon 1967 folgte er dem Ruf nach Basel als Ordinarius und Vorsteher des Instituts für Pathologie an der Universität Basel. 1974/75 war er Rektor.

Seine besondere Leistung bestand in der Förderung der Spezialisierung in der Pathologie. Er war überzeugt, dass auch der beste Pathologe nicht mehr alle Fachgebiete beherrschen könne. So fällt die Gründung verschiedener Abteilungen in seine Amtszeit. Er war fasziniert von den Möglichkeiten, klinisch relevante Diagnosen an kleinsten Biopsien unter Einsatz aller neuen morphologischen Techniken stellen zu können.

In der Lehre war er allen neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen. Er gehörte zu den Pionieren der audiovisuellen Kurse. Er publizierte einen programmierten Histopathologiekurs. Er war ein begeisterter und begeisternder Lehrer, auch wenn dies die Studenten oft erst nach dem Staatsexamen realisierten. Berühmt (bei Studenten) und "berüchtigt" (bei Kollegen) waren seine Thieme Taschenbücher über die allgemeine und spezielle Pathologie, die im Telegrammstil über die wichtigsten Fakten informierten aber nicht nur von Studenten gelesen sondern auch von Kollegen (allerdings nur bei geschlossener Tür) konsultiert wurden. Die "Blauen Bücher" wurden in viele Sprachen übersetzt.

Viele Nierenerkrankungen wurden von Zollinger erstmals beschrieben u.a. die Phenacetinniere (Analgetikanephropathie), die jahrzehntelang zu den wichtigsten Nierenerkrankungen in der Schweiz gehörte. Sein Handbuch "Niere und ableitende Harnwege" (1966) war für Jahrzehnte das Standardwerk der Nierenpathologie genauso wie "Renal pathology in biopsy" publiziert 1978 zum Teil heute noch von Nierenpathologen konsultiert wird. Der bedeutende französische Nephrologe F. Richet sagte einmal von ihm, "alles, was Zollinger beschrieben hat, ist wahr". Ein grösseres Lob kann man als Wissenschaftler nicht bekommen.

 

1982–1989 Philipp U. Heitz (geb. 1939)

Prof.Ph.Heitz 10 11 1987

Nach Abschluss des Medizinstudiums in Genf und Wien arbeitete Philipp U. Heitz in der Klinik für Rheumatologie und am Paraplegikerzentrum des Universitätsspitals Genf. 1967 begann er eine Ausbildung in Neuropathologie in Freiburg im Breisgau und folgte dann Hans-Ulrich Zollinger an die Universität Basel. Er wurde 1971 zum Oberarzt und Leiter der Abteilung für Histochemie ernannt und habilitierte sich 1974 an der Universität Basel. Von 1975 bis 1976 verbrachte er einen Forschungsaufenthalt an der Royal Postgraduate Medical School in London im Labor von A. G. E. Pearse, während dem er sich insbesondere mit dem phänotypischen Nachweis von Hormonen in neuroendokrinen Zellen und Tumoren des Magendarm-Traktes und des Pankreas beschäftigte. Er wurde 1981 zum Extraordinarius und 1982 als Nachfolger Zollingers zum Ordinarius und Vorsteher des Instituts für Pathologie der Universität Basel gewählt. 1987 folgte er dem Ruf an die Universität Zürich. (siehe Wikipedia)

 

1989-2007 Michael J. Mihatsch (geb. 1943)

portrait Mihatsch

Nach seinem Abitur 1963 in Duisburg studierte Michael J. Mihatsch Medizin an den Universitäten Bonn und Freiburg. Die Weiterbildung zum Facharzt für Pathologie erfolgte ab 1970 am Institut für Pathologie des Kantonsspitals Basel, wo er sich 1978 auch habilitierte. Nach der Ernennung zum Abteilungsleiter für Nierenpathologie 1984 wurde er ein Jahr später Extraordinarius. 1988 übernahm Mihatsch die Leitung des Instituts für Pathologie und wurde 1989 zum Ordinarius gewählt. Er förderte junge Studierende und Wissenschaftler und fungierte ab 1990 als Präsident der Nachwuchskommission des Schweizerischen Nationalfonds. Von 2000 bis 2005 war er Vizedekan für Nachwuchsförderung. 2007 wurde Mihatsch emeritiert und ist seitdem als Konsiliarius für Nierenpathologie am Institut tätig. Von 2007 bis 2013 wirkte er als Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Nierenpathologie der Europäischen Gesellschaft für Pathologie, die ihn 2009 zum Ehrenmitglied kürte. Er befasste sich besonders mit der Pathologie der Phenacetinniere, der Calcineurin-Inhibitor-Toxizität und der Nierentransplantat-Abstossung. Seine Forschungen, für die er mehrfach geehrt wurde, trugen massgeblich dazu bei, dass der Wirkstoff Phenacetin identifiziert als Auslöser der Analgetika-Nephropathie und von malignen Harnwegstumoren in der Schweiz und anderen westeuropäischen Ländern verboten wurde. 2006 konnte festgestellt werden, dass durch das Phenacetin-Verbot 20 Jahre zuvor, die Analgetika-Nephropathie nahezu verschwunden ist. Mihatsch engagiert sich für die Schweizerische Krebsliga und die Geschäfte der Stiftung für krebskranke Kinder, Regio Basiliensis. (siehe Wikipedia)